In Zeit gemeißelt

Gefallenendenkmäler neu entdecken

Europäische Geschichte verstehen

Täter, Opfer, Heldentum: Gefallenendenkmäler in Baden-Württemberg

Dieses Projekt ist eine Zeitreise in die schicksalsvollen Jahre zwischen den Kriegen (1919 bis 1939). Unmittelbar nach dem Ende des Ersten Weltkriegs entstanden in nahezu jedem Dorf und jeder Stadt Deutschlands Denkmäler für die gefallenen Soldaten. Anhand der Gestaltung der Gefallenendenkmäler, ihrer Symbolik und Motivik, die die ideologischen Vorstellungen und die Gefühlslage ihrer Entstehungszeit widerspiegeln, wird sichtbar, wie eine zunehmend nationalistische und revanchistische Gesellschaft in den Zweiten Weltkrieg getrieben wurde.

Die Gefallenendenkmäler

Die Vielfalt der künstlerischen Umsetzungen und Materialien trägt dazu bei, dass viele dieser Denkmäler heute als eigenständig und mitunter eigentümlich wahrgenommen werden. Die Gestaltung der Denkmäler spiegelt die Gefühlswelt nach 1919 und die Ideologien der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen wider. Den Gefallenendenkmälern kam eine wichtige Funktion zu: Sie sollten dem Tod der Soldaten „einen Sinn geben“ und den Hinterbliebenen einen Ort der Trauer bieten. 

Wenn ich im Ausland bin, in den Dörfern, stoppe ich immer vor den Kriegsdenkmälern, schaue mir das an, lese fast laut die Geburtsdaten auf, wie viele junge Menschen krepiert sind, wegen dieser Nichtbereitschaft, über den eigenen Schatten zu springen. Ich bin der Meinung, diese alte Erzählung, das europäische Dilemma zwischen Krieg und Frieden beschreibend, ist auch eine Erzählung von heute.

Jean-Claude Juncker, Präsident der Europäischen Kommission a. D.

Das Projekt

Das Buchprojekt dokumentiert fotografisch rund 50 Gefallenendenkmäler des Ersten Weltkriegs in Baden-Württemberg. Die Schlachtfelder durch Europa werden anhand der Biografien der Soldaten gezeigt, die dort fielen. Der Umgang späterer Generationen wird einbezogen: Porträts von Menschen, die sich künstlerisch, forschend, pflegend oder schreibend mit diesen Denkmälern befassen, schlagen eine Brücke in die Gegenwart.

Umfang

ca. 50 Denkmäler

Region

Baden-Württemberg

Medium

Fotografie & Essay

 

Fotografischer Ansatz

Sie stachen heraus, Zeugen aus eine vergangenen Zeit, als das Wort Krieg allgegenwärtig war. Ein Teil der Denkmäler wird nachts mit Blitzlicht aufgenommen, wodurch die oft theatralische Gestik betont wird und die Umgebung unsichtbar bleibt. Die Lichtinszenierung hebt Motive von Trauer, Schmerz, Verlust, Trotz, Empörung und Rache und setzt das Denkmal ins Zentrum des Projektes.

Heute

Die Gefallenen­denkmäler des Ersten Weltkriegs sind Zeugnisse der Zeit, in der sie errichtet wurden – und zugleich Mahnmale. Heute rüstet sich Europa militärisch erneut auf, zur Abschreckung und zur Verteidigung; dennoch muss die Bewahrung des Friedens zwischen den Völkern das vorrangige Ziel einer weitsichtigen Politik bleiben. Die Alternative kennen wir: neue Gefallenendenkmäler mit ihrer Last aus Schrecken, Trauer und Tod.

Aber denken Sie niemals, dass Krieg, egal wie notwendig oder gerechtfertigt er erscheinen mag, kein Verbrechen ist. Fragen Sie die Fußtruppen und fragen Sie die Toten.

Ernest Hemingway

Gustavo Alàbiso Bild Startseite

Achtzig Jahre nachdem Hemingway diesen Satz formuliert hat, ist das Wort Krieg in Europa wieder alltäglich geworden. Der Einmarsch Russlands in die Ukraine hat ein neues Zeitalter eingeläutet, in dem die demokratie weltweit massiv unter Druck geraten ist. Krieg und Demokratie stehen in einem grundlegenden Spannungsverhältnis. Die deutsche Geschichte weiß, was Krieg bedeutet – und was es heißt, die Demokratie zu verlieren.

Gustavo Alàbiso

„Wir fragen die Toten“

Unmittelbar nach dem Ende des Ersten Weltkriegs wurden in nahezu jedem Dorf und in jeder Stadt Deutschlands Denkmäler für die gefallenen Soldaten errichtet. Die Denkmäler tragen die Namen der gefallenen und vermissten Soldaten – Nachnamen, die oft mit denen alteingesessener Familien identisch sind, deren Nachkommen noch heute an diesen Orten leben. Diese Denkmäler sind steinerne, stumme Zeugen einer schicksalhaften Vergangenheit.

Warum Ihre Unterstützung zählt

Bewahrung von Geschichte – Denkmäler sichtbar und verständlich machen.
Beitrag zu Frieden & Demokratie – Wie Gesellschaften heute Krieg rechtfertigen.
Förderung von Kunst & Kultur – Aufwendig produzierter Bildband als bleibendes Werk.
Bildungsrelevanz – Material für Schulen, Museen, kommunale Bildungsarbeit.
Dialog zwischen Generationen – Wie Menschen heute mit den Erinnerungsorten umgehen.

Gustavo Alàbisos Bilder zeigen, was wir täglich übersehen. Seine Kunst eröffnet einen neuen Blick auf die Ur-Katastrophe des 20. Jahrhunderts – den Ersten Weltkrieg – und schärft unsere Aufmerksamkeit für die Gefahren der Gegenwart. Frieden ist keine Selbstverständlichkeit.

Dr. Rainer Schimpf
Haus der Geschichte Baden-Württemberg

Wer Erinnerungsorte besucht, spürt: Frieden ist nie selbstverständlich. Versöhnung ist stärker als Hass, wenn Menschen sich offen begegnen. Darum darf Gedenken nicht erstarren, sondern muss immer wieder lebendig werden.

Guido Wolff
Landesvorsitzender Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge

Ein Projekt gegen das Vergessen

50 Gefallenendenkmäler des Ersten Weltkriegs in Baden‑Württemberg – fotografisch dokumentiert. Teilweise werden die Denkmäler nachts fotografiert. Durch die bewusste Auswahl der Perspektiven erhalten die Bilder einen inszenierten Charakter. Landschaftsaufnahmen der Kriegsschauplätze, an denen die in den Denkmälern genannten Soldaten gekämpft haben: So wird die europäische Dimension des Krieges sichtbar.

Man kann den Wandel der Mentalität in Deutschland – vom Ende des Ersten Weltkriegs über die Weimarer Republik bis hin zur Herrschaft der Nationalsozialisten – an diesen Denkmälern ablesen. Sie vermitteln auf plastische und eindringliche Weise die Botschaften, für die sie stehen.

Dr. Folkhard Cremer, Landesdenkmalpflege Freiburg

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