Das Kriegerdenkmal in Furtwangen

Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland ging eine radikale
Veränderung der politischen Strukturen einher, auch in Furtwangen. Mit der Amtsenthebung der SPD- und KPD-Gemeinderäte am 8. August 1933 endete praktisch
die Existenz des vom Volk gewählten Gemeinderates. Im Rathaus regierten jetzt
sogenannte „Ratsherren“, eingesetzt von der NSDAP. Zwar spülte die neue Verwaltung
auch kein Geld in die Stadtkasse, aber der Haushaltsplan bekam andere Schwerpunkte. 

Foto für das Publikationsprojekt „IN STEIN GEMEISSELT“ über die Gefallenendenkmäler des Ersten Weltkriegs in Baden‑Württemberg. Foto: Gustavo Alàbiso

Am 18. September 1937 stellte der Furtwanger Bürgermeister dem Bildhauer ein Zeugnis aus, das man nur als glänzend bezeichnen kann. Darin heißt es: „So ist das Denkmal zu einer der größten Sehenswürdigkeiten der Stadt geworden und ein ewiges Beispiel für die Deutsche Jugend.“ Und rühmt die hohe künstlerische Qualität der Darstellung, „die in besonderem Grade heldischen, kulturellen und erzieherischen Wert habe“.

Abreißen oder als Zeitdokument stehen lassen? Man wählte den dritten Weg:

In der Nacht vom 30. April zum 1. Mai 1977 wurde am Kriegerdenkmal der Oberkörper des Soldaten, der hochaufgerichtet eine Handgranate wirft, mithilfe eines Seilzugs abgetrennt. Dasselbe Schicksal war der rechten Figur zugedacht. Dem zum Sprung geduckten Soldaten war bereits ein Seil um den Hals gelegt worden, als die Täter offenbar gestört wurden. Mit Entrüstung registrierte die Stadtverwaltung die Tat eines offenbar organisierten „Rowdytums“; sie stellte sofort „Anzeige gegen Unbekannt“ und setzte gleichzeitig eine Belohnung von 1000 DM für sachdienliche Mitteilungen aus. (Auszüge aus dem Bericht: „Die lange Geschichte eines Heldengedenkens – das Kriegerdenkmal im Furtwangener Stadtgarten für die Gefallenen und Vermissten des 1. Weltkrieg 1914–1918“ von Helga und Hans Kaiser in Forum Schulstiftung.)

Ort:Furtwangen, Schwarzwald-Baar-KreisJahr: 1948
Künstler:Hugo KnittelFotografie: Gustavo Alàbiso

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