Die geborene Britin studierte Deutsch, Geschichte und Internationale Beziehungen in England. Für ihren ehrenamtlich erstellten Blog „Gedenkseite Erster Weltkrieg der Stadt Ettlingen“ erhielt sie den Kulturpreis 2014 der TechnologieRegion Karlsruhe.
Katherine Quinlan-Flatter erkundet ihre Wahlheimat seit vielen Jahren. Ein Thema ihrer Arbeit sind die Denkmäler des Ersten Weltkriegs, die sie auch fotografiert. In ihren Vorträgen zeigt sie eine Auswahl ihrer Aufnahmen und berichtet über den Künstler oder die Entstehungsgeschichte. Dabei geht sie der Frage nach, welche Bedeutung diese Denkmäler für uns heute haben.

November ist der Monat, in dem der Toten gedacht wird. Offizielles Gedenken findet häufig vor Kriegerdenkmälern
statt, die zwischen den beiden Weltkriegen errichtet wurden. Und die erzählen nicht nur von den Tränen der Hinterbliebenen, sondern sind bildgewordene Mentalitätsgeschichte – mit blutigem Ausgang.
In jüngster Zeit wurden weltweit Statuen und Denkmäler gestürzt. Derlei Angriffe sind nicht neu – schon früher haben Menschen gegen die durch Denkmäler dargestellten Ideen rebelliert, sei es gegen Sklavenhandel, Krieg oder eine ungeliebte politische Führung. Loyalitäten ändern sich, und die Zerstörung oder Entfernung eines Denkmals ist wohl ein Versuch, wenn nicht zur Ausrottung, dann doch zur Bereinigung der Vergangenheit. Mit der Errichtung einer Statue wird ein Konzept etabliert, und einmal errichtet wird eine Aussage gemacht. Es sind diese Aussagen und Konzepte, die ihre Gegner abschaffen wollen. Kriegerdenkmäler sind im deutschen Nationalbewusstsein, das nach wie vor von den Folgen der beiden Weltkriege beeinflusst ist, ein mitunter umstrittenes Thema. Es gibt Stimmen, die ihre Abschaffung befürworten und sie als Tribut an die Verherrlichung des Krieges betrachten. Oder sie wollen zumindest die Inschriften verändern, um vermeintlich anstößige Inhalte zu entfernen. Doch zum Zeitpunkt ihrer Errichtung hatte jedes Denkmal eine wichtige politische und soziale Funktion. Manchmal sogar beides zusammen. Nach dem Weltkrieg von 1914 bis 1918
gibt es in Deutschland keine Siegesdenkmäler, doch die Bildhauer sind deshalb nicht arbeitslos. Über die ganze Dauer der Weimarer Republik bis Ende der 1930er Jahre werden in fast jedem Ort Ehrenmale errichtet – zum Gedenken an die verlorenen Söhne, Väter, Ehemänner. Direkt nach dem Krieg sind viele Menschen kurz vor dem Verhungern,
finden aber trotzdem die Mittel, einen Bildhauer zu bezahlen. Ihre Trauer wird sichtbar. Aber anhand der Denkmäler in der Folge des Ersten Weltkrieges kann man möglicherweise auch den allmählichen politischen und chronologischen Weg Deutschlands hin zum nächsten Krieg beobachten. (Auszug aus „Trauer und Trotz“, ein Artikel von Katherine Quinlan-Flatter, erschienen in Rheinpfalz am 14. November 2020)