Das Rote Bonlanden

Bereits 1919 schlug der Kriegerverein Bonlanden ein Denkmal vor, was die Arbeiterparteien zugunsten einer besseren Versorgung der Hinterbliebenen ablehnten. 1921 wurde eine Kriegerdenkmalskommission gebildet, die Entwürfe einholte und den auf Friedhofskunst spezialisierten Bildhauer Richard Schönfeld auswählte. Dem 1922 neu gewählten Schultheißen Wolber gelang es, auch die Arbeiterparteien zu gewinnen, indem statt Heldenverehrung Trauer (Pietà‑Motiv) in den Mittelpunkt gestellt. So sollte anstelle eines kriegsverherrlichenden Denkmals vor einem erneuten Krieg gewarnt und die Verpflichtung gegenüber den Hinterbliebenen betont werden.

Foto für das Publikationsprojekt „IN STEIN GEMEISSELT“ über die Gefallenendenkmäler des Ersten Weltkriegs in Baden‑Württemberg.

Mit der Fertigstellung waren die Auseinandersetzungen um das Kriegerdenkmal noch nicht beendet. Die Gegensätze zwischen Arbeiterschaft und bäuerlicher Bevölkerung waren so groß, dass sich die Einweihung bis 1926 verzögerte, weil man sich nicht auf die Form der Feier einigen konnte. Schultheiß Wolber strebte eine Feier „im Geiste der Völkerversöhnung unter größtmöglicher Ausschaltung der Politik“ an. Der von den Arbeiterparteien dominierte Gemeinderat war jedoch nicht zur Zusammenarbeit mit der bürgerlich‑kirchlichen Seite bereit und lud den Kirchengemeinderat ausdrücklich nicht ein, was zu großer Verbitterung im Dorf führte. (Stadtarchiv Filderstadt)

Obwohl bei der Reichstagswahl am 5. März 1933 nur die NSDAP ungehindert Wahlkampf betreiben durfte, kam diese Partei in Bonlanden auf nur 23,3 Prozent der Stimmen. 

Demgegenüber erzielte die KPD 29,7 Prozent und die SPD 28,9 Prozent. Damit hatte die NSDAP in Bonlanden neben Sillenbuch ihr schlechtestes Ergebnis im gesamten Amtsoberamt Stuttgart. (Aus der Stuttgarter Zeitung: „Filderstadt im Dritten Reich: (Als) SA und SS das rote Bonlanden umstellten“ vom 28.12.2020)

Ort:Bonlanden, Filderstadt, Landkreis EsslingenJahr:1926Künstler:Richard SchönfeldFotografie:Stadtarchiv Filderstadt: https://www.filderstadt.de/start/tourismus/kriegerdenkmal.html

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