Ohnmacht und Wille in Feuerbach

Es erstaunt nicht, dass Daniel Stocker nach dem verlorenen Weltkrieg und dem Untergang des deutschen Kaiserreichs kein Freund der jungen demokratischen Republik gewesen zu sein scheint und dass besonders eines seiner drei in der Weimarer Zeit entstandenen Kriegerdenkmale wie ein Vorgriff auf die Plastik im Nationalsozialismus erscheint, die das Bild eines heroisch idealisierten Menschen (Männer-) typus kennzeichnete.

Die monumentale Bronzegruppe Ohnmacht und Wille (auch Ohnmacht und erwachender Wille) für das Gefallenendenkmal in Stuttgart – Feuerbach aus dem Jahr 1929 weist mit dem Kult einer übersteigerten Männlichkeit und dem nationalistischen Heldenpathos bereits auf die Kunst im „Dritten Reich“ voraus. Zugleich signalisierten die erhobenen, zu Fäusten geballten Hände der den Willen symbolisierenden Figur eine radikale Ablehnung des Friedensvertrags von Versailles, das heißt, sie kündeten von Widerstand und Gewalt. 

„Sein künstlerisches Arbeiten fand auch im Dritten Reich volle
Anerkennung.“

Im Angesicht dieser Gruppe ist es nachvollziehbar, dass die Nationalsozialisten
den parteilosen Künstler 1940 „unseren Gesinnungsfreund“ nannten. (Auszug aus: „Der ‚völkische Messias‘ im Leichenhaus. Bildhauer Daniel Stocker und seine Plastik Baldur und Erde – Symbol ‚germanischen Christentums‘ und antisemitisches Bildwerk“ von Kai Artinger, veröffentlicht in KUNSTGESCHICHTE, Open Peer Reviewed Journal • 2024).

Ort:Feuerbach, StuttgartJahr:1929Künstler:Daniel Stocker 
Fotografie:Hauptstaatsarchiv Stuttgart

Unterstützen Sie dieses Projekt!

Jetzt fördern