Unseren Söhnen in Laupheim

Vor allem der Monat November lässt die Laupheimer immer wieder an die frühere jüdische Gemeinde denken und welche Bedeutung sie für die Stadt hatte. Vor der Zeit des Nationalsozialismus, im Ersten Weltkrieg, spielte die Religionszugehörigkeit eine untergeordnete Rolle. Laupheimer wurden gemeinsam an die Front geschickt und den Gefallenen wurde auf ihren jeweiligen Friedhöfen zum Gedenken ein Ehrenmal gesetzt.

Foto für das Publikationsprojekt „IN STEIN GEMEISSELT“ über die Gefallenendenkmäler des Ersten Weltkriegs in Baden‑Württemberg.

Dr. Aron Tänzer, Bezirksrabbiner in Göppingen und während des Krieges Feldrabbiner, hielt damals die Gedenkrede. Unter anderem hob er hervor: „Ein Ehrenzeugnis soll dies Denkmal sein und künden von deutschem Heldenmut und Opfersinn. Ein Ehrenzeugnis soll es ferner sein und künden von der Vaterlandstreue deutscher Soldaten jüdischen Glaubens, die ihrer Religion gemäß pflichttreu lebten, pflichttreu kämpften und pflichttreu starben und sich in Vaterlandsliebe verbunden fühlten mit allen ihren Mitbürgern.

Am 1. Juni 1922 wurde das Denkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges feierlich geweiht. Das von Friedrich Adler im Art Déco gestaltete Denkmal trägt auf der Vorder- und Rückseite jeweils den großen Schriftzug „Unseren Söhnen 1914–1918“, verbunden mit einem Davidstern. 

Eines nur ist dieses Denkmal hier von den vielen, vielen Hunderten, wie sie die deutsche Judenschaft allenthalben für ihre 12 000 gefallenen jüdischen Soldaten errichtet hat. Keines von diesen will der Ruhmredigkeit dienen, alle aber sind und sollen sein ein Zeugnis der Vaterlandsliebe und Pflichttreue der deutschen Juden. Alle sollen hier kündigen: Deutschlands Söhne jüdischen Glaubens starben gemeinsam mit allen anderen für das Vaterland und Deutschlands Söhne jüdischen Glaubens müssen leben mit allen anderen in gleichen Rechten und Pflichten im gemeinsamen Vaterlande.“ (Auszug aus: Sonja Prießnitz, Der Erste Weltkrieg in der Erinnerung: Das Gefallenendenkmal von Friedrich Adler in Laupheim, erschienen in dem Heft „BC – Heimatkundliche Blätter für den Kreis Biberach 37“)

Ort:Laupheim, Landkreis BiberachJahr:1921Künstler:Friedrich AdlerFotografie:Gerd Winkler, Stadtarchiv Laupheim, Museum für Christen und Juden

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