Das Marbacher Denkmal variiert das Motiv der nationalen „Wiederauferstehung“: Ein Soldat der neuen nationalsozialistischen Militärordnung scheint den Frontkämpfer des Ersten Weltkriegs abzulösen und dessen Kampf fortzuführen. Die 1933/34 am Oberen Tor aufgestellte Skulptur zeigt zwei Soldaten: Der vordere, vollplastisch und wehrhaft dargestellt, tritt vor den kleineren, als Relief ausgeführten Soldaten des Ersten Weltkriegs.

Das Motiv verweist auf den Generationenkonflikt der 1920er Jahre. In rechtsnationalen und völkischen Milieus galt die Niederlage von 1918 als bloße Unterbrechung eines fortzusetzenden Kampfes. Die jüngere Generation beanspruchte, die vermeintlich unvollendete Aufgabe der Frontkämpfer zu übernehmen – eine Deutung, die das Denkmal im frühen Nationalsozialismus bildlich zuspitzt.
„Wie sollen wir deutscher Soldaten gedenken, die im Ersten und Zweiten Weltkrieg gefallen sind? Waren sie Helden oder Opfer, vielleicht beides?“
Die Denkmäler passen scheinbar nicht mehr in eine Zeit, die seit sieben Jahrzehnten Frieden kennt. An die Namen erinnert sich kaum noch jemand; auffällig sind primär die Inschriften – ihre fremd gewordene Sprache und ihr Pathos. Sätze wie „Für Deutschlands Ruhm und Ehre“ irritieren heute. Nach 1945 entstanden nur wenige neue Kriegerdenkmäler; meist ergänzte man die bestehenden um weitere Namen und Widmungen für alle Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft. (Volker Wagener, Deutsche Welle, 15.11.2017)