Der Engel von Staufen

In der Ecke vom nördlichen und westlichen Teil der alten Umfassungsmauer steht das Denkmal zum Andenken an die Gefallenen und Vermissten Staufens im 1. Weltkrieg.
Es ist ein übergroßer Engel, dessen Haupt mit einem kleinen Blütenkranz trauernd gesenkt ist. Mit der schlanken Gestalt und den fließenden Gewändern ist es dem Jugendstil zuzuordnen. Unter seinen schützend ausgebreiteten Armen stehen die Namen der 75 Gefallenen und Vermissten der Stadt Staufen.

Foto für das Publikationsprojekt „IN STEIN GEMEISSELT“ über die Gefallenendenkmäler des Ersten Weltkriegs in Baden‑Württemberg.

Das Denkmal wurde 1920 von Roderich Jerusalem gestaltet, der von 1918 bis 1934 in Staufen lebte. In den 30er Jahren erinnern seine Werke an den nationalsozialistischen Stil. Es finden sich in der Stadt und Umgebung noch weitere Werke von ihm.

Es darf die Erinnerung an die, die für uns oft einen harten und bitteren Tod sterben mussten, in einem Gemeinwesen nicht verloren gehen … (Roderich Jerusalem)

Die Familie des Künstlers hieß ursprünglich Wessel. Im 13. Jh. pilgerte ein Vorfahre dreimal nach Jerusalem und erhielt deshalb vom Papst den Beinamen „Jerusalem“, der dann später zum Familiennamen wurde. Ein Mitglied dieser Familie, Karl Wilhelm Jerusalem, erlangte literarische Bedeutung. Er war Jurist in Wetzlar und nahm sich 1772 das Leben, weil er die Frau, die er liebte, nicht bekommen konnte. Goethe, auch Jurist, hörte von seinem Schicksal und nahm es als Vorbild für sein Werk „Die Leiden des jungen Werther“. (Auszug aus „Der historische Friedhof in Staufen“ von Silke Guckes)

Ort:Staufen im Breisgau, Landkreis Breisgau-HochschwarzwaldJahr:1920Künstler:Roderich Jerusalem von Stafft (1870-1941)Fotografie:Silke Guckes

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