Eine tiefernste Feier fand gestern Vormittag zwischen 11 und 12 Uhr auf dem israelischen Friedhof statt: die Einweihung des Denkmals für die im Weltkrieg gefallenen Krieger des israelitischen Friedhofverbandes Eppingen. Um 11 Uhr bewegte sich ein stattlicher Zug vom Marktplatz aus, an der Spitze die beiden hiesigen militärischen Vereine mit Fahne, der vollzählige Gemeinderat und die Spitzen der Behörden, nach dem israelitischen Friedhof, wo sich neben Angehörigen der Gefallenen eine große Anzahl Einwohner von Eppingen und Umgebung eingefunden hatte.

Der Herr Bezirksrabiner von Bruchsal eröffnete die Feier mit einem Gebet. Hierauf sang der Männergesangverein Eintracht mit tiefer Empfindung das Lied „Wir liebten uns wie Brüder, der Tod hat uns getrennt“. In einer gut ausgestatteten Gedächtnisrede entrollte der Herr Bezirksrabiner ein Bild über den Verlauf des unglücklichen Krieges, seinen Ausgang und seine Opfer. Herr Lehrer Bravmann gedachte in seiner Ansprache der gefallenen israelitischen Söhne und dankte den Vereinen und dem übrigen Publikum für ihr zahlreiches Erscheinen. (Auszüge aus der Eppinger Zeitung zur Einweihung des Denkmals am 19. September 1921)
„Der Kriegerverein und der Veteranenverein Eppingen laden die eigenen Mitglieder zahlreich ein, bei der Einweihungsfeier eines Denkmals für die gefallenen israelischen Krieger zu erscheinen. Ehrenzeichen und Verbandsabzeichen sind anzulegen“ (aus der Eppinger Zeitung, 17. November 1921)
Trotz des virulenten Antisemitismus, der auch in den Zeiten der Weimarer Republik immer weiter angefacht wurde, versuchten der „Reichsbund jüdischer Frontsoldaten“ (RjF), die Ehre der jüdischen Frontsoldaten gegen antisemitische Vorwürfe (z. B. „Drückebergertum“, Judenzählung 1916) zu verteidigen und ihre Leistungen öffentlich sichtbar zu machen, während die jüdischen Gemeinden ihre eigenen Gefallendenkmäler errichteten.