Der Genius des Krieges in Mittelzell

Das Ehrenmal für die Gefallenen und Vermissten des Ersten Weltkriegs ist Teil einer erhöht gelegenen, durch eine Seitentreppe erschlossenen Platzanlage mit Umfassungsmauern, die direkt neben dem Rathaus, aber auch in Bezug zum Münster aufgestellt ist. Es scheint sich also um eine ähnliche Situation wie in Waldkirch-Kollnau zu handeln. Offenbar wählten die Nationalsozialisten diesen Standort, um der katholischen Kirche ihre Ideologie entgegenzusetzen.

Mittelzell

Die von dem Karlsruher Bildhauer Prof. Emil Sutor entworfene, 1939 errichtete, überlebensgroße Figurengruppe aus Stein steht auf einem hohen, gemauerten Sockel, an dessen westlicher Schmalseite die Inschrift „Für die Heimat gekämpft / als Helden gefallen“ in erhabenen Buchstaben angebracht ist. Über der Inschrift weist der „Genius des Krieges“ (dargestellt als Frau mit wehendem Gewand und einer Fackel in der Hand) einem Soldaten den Weg nach Westen. Der die Nordseite der Figurengruppe dominierende Soldat folgt dem Genius mit emotionslos in die Ferne schweifendem Blick.

 „Das im Volksmund als „Stein gewordener Geist des Krieges“ bekannte Kriegerdenkmal ist nach Westen, Richtung Frankreich aufgestellt. .“

Es gehört zu den vielen, revanchistisch gegen den damals als Erzfeind betrachteten Nachbarn Frankreich ausgerichteten Gefallenendenkmälern und war im April 1939, vier Monate vor Kriegsbeginn, ein eindeutiger Aufruf zum Krieg. An der Symbolik bemerkenswert ist, dass keine Darstellung des „Eisernen Kreuzes“ angebracht wurde, aber der Genius des Krieges mit einer Fackel ausgestattet ist. Die Fackel symbolisierte in der NS-Kunst die Partei. (Dr. Folkhard Cremer)

Ort:Mittelzell, Gemeinde Reichenau, Landkreis KonstanzJahr: 1939Künstler:Emil Sutor (1888-1974)Fotografie:Wolfgang Leskovar, www.denkmalprojekt.org

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