Die „Trauernde Germania“ in Freiburg

Als „phil-hellenische“ Variante der Germania konnte auch „Pallas Athene“ dienen. Als gleichzeitige Kriegsgöttin und Göttin der Weisheit, eignete sie sich vorzüglich für Denkmäler der gefallenen Studenten, Beamten und Professoren einer Hochschule. In dieser Form tritt die griechische Göttin auf dem 1924/25 von Karl Albiker geschaffenen Gefallenendenkmal im Ehrenhof des Karlsruher Institutes für Technologie in Erscheinung. 

1919 vor die Wahl gestellt eine Professur für Bildhauerei in Karlsruhe oder Dresden zu übernehmen, entschied er sich für das – durch die in Dresden gegründete expressionistische Künstlergruppe die „Brücke“ und die 1919 gegründete „Dresdner Sezession“, der etwa Otto Dix angehörte – als progressiver und moderner geltende Dresden, hielt jedoch als gebürtiger Badener seinen Kontakt zur Karlsruher Szene weiterhin aufrecht.

Im April 1915 freiwillig in den Krieg gezogen erlitt er 1917 beim Sturz von vom Pferd eine schwere Beckenverletzung und 1918 als nicht mehr „kriegsverwendungsfähig“ aus der Armee entlassen. 

Die ursprünglich für den universitären Zusammenhang als Darstellung der Karlsruher Pallas Athene entwickelte Motivik, konnte Albiker wenige Jahre später, genauer: im Jahre 1929, für das Gefallenendenkmal auf dem Freiburger Hauptfriedhof nahezu eins zu eins recyceln. Nun jedoch als „Trauernde Germania“, die auch die Bezeichnungen „Wacht über dem Grab“ und „Heimat“ erhielt. Während der erhobene Schild auch für die die Waffen streckende Germania taugte, wurde der antike Helm durch einen weltkriegstauglichen Stahlhelm ersetzt. Statt der Lanze senkt die Freiburger Germania eine Fahne. Damit adaptierte Albiker das schon vor dem Ersten Weltkrieg für die Darstellung des gemeinen Soldaten geläufige Motiv des „Fahnenträgers“. (Dr. Folkhard Cremer)

Ort:Freiburg im BreisgauJahr:1929Künstler:Karl Albiker (1878–1961)Fotografie:Wikipedia

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