Bei dem von Prof. Theodor Schnell der Jüngere entworfenen Grabmal handelt es sich um das außergewöhnliche Zeugnis einer Grabmalkultur, die von den Folgen des Ersten Weltkrieges geprägt worden ist. Es ist eigentlich ein Kriegerdenkmal in kleiner Ausführung. Die mit Jugendstilornamenten gezierte Säule zeigt das für die Schnell’sche Grabmalkunst typische Symbol für den Soldatentod: das nach unten gerichtete Schwert unter einem Stahlhelm. Die beiden Totenmasken verstärken noch den sehr ernsten Eindruck dieses Monuments.

Errichtet wurde es für den am 7. August 1918 bei Auby in Nordfrankreich gefallenen Fahnenjunker im Badischen Infanterieregiment 111, Werner Wendelin Ruile.
Er wurde nur 20 Jahre alt und fiel zu einem Zeitpunkt, als nach dem Scheitern der Großoffensive des Frühjahres der Krieg für Deutschland praktisch schon verloren war.
Der tote Soldat wurde – was selten vorkam – von der Front in die Heimat überführt und hier bestattet. Die Totenmaske am Sockel zeigt sein Antlitz.
Sein Vater, Wendelin Ruile (1867-1934), spielt in der Wirtschaftsgeschichte Ravensburgs eine wichtige Rolle. 1903 war er Mitbegründer des Bürgerlichen Brauhauses, außerdem Mitglied des Gemeinderates und Vorsitzender der Handelskammer Ravensburg. Auch von ihm wurde eine Totenmaske angefertigt. Heimatgeschichtlich bedeutsam ist diese Grabstätte auch durch den hier 1927 bestatteten Dr. med. Ferdinand Halder, der in der Karlstraße eine Klinik betrieb, in der zahlreiche Ravensburger das Licht der Welt erblickten. Tod und neues Leben – beides spricht aus dieser tief beeindruckenden Grabanlage. (Aus: „Der Ravensburger Hauptfriedhof und seine Grabdenkmale“, eine Publikation der Stadt Ravensburg, Friedhofsverwaltung, Dr. Ralf Reiter und Michael Bayha, 2023)